Dossier: 20 Jahre RegioKarte

Die RegioKarte und ich

Gut dass mir sie hän! Ohne Sie, unsere Fahrgäste, hätte die RegioKarte nicht so eine erfolgreiche Entwicklung hingelegt. An dieser Stelle geben wir Ihnen Gelegenheit, persönliche Erlebnisse oder Geschichten aus 20 Jahren RegioKarte zu schildern. Oder einfach nur ein paar Glückwünsche, ein Foto zu hinterlassen …

So wie Herr Stiegeler aus Buchenbach, der uns auf der diesjährigen Baden-Messe seine komplette Sammlung an RegioKarten aus 20 Jahren präsentierte.

Zug und Straßenbahn

Das beste an der RegioKarte ist, dass sie sowohl im Zug als auch in der Straßenbahn oder im Bus gilt, das spart viel Geld! Danke!
Martina Heizmann

Ohne Auto zum Skifahren

Ich fahre das Jahr über lieber mit dem Fahrrad. Aber im Winter ist die RegioKarte eine sinnvolle Option, zumal man damit ohne Auto zum Skifahren kommt!
Ralf Hug

Schicken Sie uns Ihr persönliches Erlebnis oder eine Geschichten aus 20 Jahren RegioKarte. Oder digitale Fotos mit Bezug zu diesem Thema. Wir werden es gerne hier veröffentlichen. Bitte per Mail (max. 10 MB) an story@rvf.de.

Das Tramper-Eck

Erinnert sich noch jemand an das Tramper-Eck in Freiburg-Wiehre? Es befand sich an der Schwarzwaldstraße gegenüber der Haltestelle "Schwabentorbrücke". Damals gab es dort auch noch die Automaten-Emma, die auf meiner inneren Landkarte ein wichtiger Ort war, aber das ist eine eigene Geschichte.
Von Arne Dyck

Wer heute vierzig Lenze zählt oder mehr, könnte das Tramper-Eck noch kennen. Zumindest diejenigen, die im Dreisamtal zu Hause waren und per Anhalter in die Stadt und wieder zurück zu fahren pflegten. Am Tramper-Eck hielt man den Daumen am langen Arm in die Straße, nicht zu weit ausgestreckt, aber auch nicht zu verzagt, sondern im genau richtigen coolen Winkel, an dem man den Fachmann sofort erkannte. Das Tramper-Eck war die Startrampe auf dem Heimweg ins Dreisamtal.

Es bestand funktional aus drei Teilen. Einmal die Stelle direkt an der Straße, von wo aus man den Daumen hinaus hielt. Direkt dahinter befand sich eine Einmündung, in der die gnädig haltenden Fahrzeuge anhalten konnten. Daneben, keine fünf Schritte entfernt, eine steinerne Fensterbank eines Friseurgeschäfts, auf der man bei Windstille etwas vor Regen geschützt war und zwar kalt, aber immerhin sitzen konnte, bis man dran war.

Trat man Samstag abends den Heimweg an, vielleicht gegen Mitternacht oder etwas später, war es auf dieser Fensterbank bereits sehr lebendig. An guten Tagen saßen dort drei, häufig fünf, mitunter aber auch acht Schicksalsgenossen, die darauf warteten, dass der Kerl am Straßenrand gute Arbeit tat und zügig wegkam, damit man selbst bald an der Reihe war.

Wir saßen also auf der Fensterbank, rauchten Selbstgedrehte, reichten den Drehtabak mal nach links, mal nach rechts weiter, unterhielten uns, waren gut drauf und wünschten uns schließlich alles Gute. Es war eine schöne Zeit – und letztere musste man auch im Überfluss haben.

Denn an manchen Tagen ging gar nichts. So freundlich man auch dreinblickte, so artig man auch den Daumen hielt, so verächtlich man auch dem Establishment die Stirn bot, um damit Müslitypen in ihren R4 zu überzeugen, niemand hielt an. Nur der Wind pfiff, und wie es die Dramaturgie solcher Nächte will, war es obendrein bitterkalt oder regnete junge Hunde. Nicht nur einmal hatte ich mich in mein Schicksal zu fügen und legte den kompletten Weg bis nach Kirchzarten nachts auf Schusters Rappen zurück. Ich erinnere mich an einen winterlichen Fußmarsch gemeinsam mit Lars, dessen Heimweg von Freiburg bis nach Buchenbach ging. Als wir uns tief nachts mit taub gefrorenen Füßen auf der Höhe von Kirchzarten zähneklappernd trennten, umarmten wir uns kurz und wortlos wie Männer auf einer Bergspitze, die nicht wissen, ob sie sich je lebend wiedersehen. Ich gab Lars das Feuerzeug mit, dann verschwand er in der Dunkelheit.

Bus und Bahn waren für uns zu teuer. Und weil es so teuer war, empfanden wir diese Verkehrsmittel als uncool. Nur ein Muttersöhnchen würde ernsthaft regelmäßig die cirka sieben Mark aufbringen, die, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, nötig waren zwischen Kirchzarten und Hauptbahnhof. Wer Visionen hatte, so wie wir, und außerdem den Fußweg zu den Bahnhöfen scheute, und nicht zuletzt einen beträchtlichen Teil seiner Barschaft im "Schlappen" oder im "Dampfross" versenkte, wo so manche Vision ihren Geburtsort hatte, lebte als Rock ’n’ Roller und fand sich am Tramper-Eck ein.

Doch plötzlich gab es die RegioKarte. Bemerkenswert an ihr war ganz plump: der Preis. Sie war überaus günstig. Nur 38 Deutsche Mark kostete sie damals. Sie galt in Zügen der Deutschen Bahn, in Bussen und in der Straßenbahn, und zwar für einen ganzen Monat. Die Karte setzte sich durch. Wer sie nicht besaß, war vielleicht immer noch ein Rock ’n’ Roller, aber auch etwas – Entschuldigung – dämlich. Kurz bevor abends der letzte Bus ablegte, hatte man es jetzt eilig.

Wenn ich heute, 20 Jahre später, mit dem Auto am Tramper-Eck vorbei fahre, sehe ich dort niemanden mehr stehen. Das mag an der RegioKarte liegen und am verbesserten Angebot durch Nachtbusse. Außerdem haben die jungen Leute viel bessere Fahrräder, als wir es damals hatten. Eigene Autos, für uns unerreichbar, sind auch bei Abiturienten nichts ungewöhnliches mehr. Oder was die Gründe auch sein mögen.

Schön, dass es die RegioKarte noch immer gibt. Das Tramper-Eck in der Wiehre scheint jedoch Geschichte zu sein. Was aus den Jungs geworden sein mag, die ich dort traf? Aus Lars? Er hatte mir in jener klirrend kalten Winternacht alle fünf Minuten seine abnehmbare Kapuze mit Daunenfüllung rübergereicht, eine echte Heldentat! Wenn Du das liest, Lars, melde Dich mal. Wir haben mit der Strecke Freiburg - Buchenbach noch eine Rechnung offen. Wir gehen vorher in den Schlappen und danach... – eine RegioKarte habe ich aber sicherheitshalber einstecken!
Arne Dyck


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